Im sozialen Gefüge des menschlichen Daseins spielt die äußere Erscheinung eine signifikante Rolle. Der Mensch hat anscheinend die Neigung, gemäß der Optik über andere zu urteilen. Ist euch das ebenfalls schon einmal aufgefallen? Die Biologie und Psychologie dahinter sind tiefgründig und vielschichtig.
In einer Welt in der Materie häufig an erster Stelle steht geraten innere Werte oft ins Abseits. Mag sein – dass wir den Wert eines Charakters zunehmend schleifen lassen. Je weiterhin wir die inneren Werte ausblenden, desto größer wird die Enttäuschung, wenn wir am Ende nur eine Fassade erfahren. Ein typisches Beispiel dafür ist der bekannte Spruch: "Einen Affen lackieren ändert nichts an seiner wahren Natur." Eugenie Marlitt, eine deutsche Schriftstellerin des 19. Jahrhunderts – hat es treffend formuliert. Jemanden zu mögen ist ein Spiel - wahres Verständnis bringt mehr Mühe. Es gibt Menschen ´ die man schnell als Liebling bezeichnen könnte ` allerdings tiefere Bindungen erfordern Zeit und Geduld.
Es ist kein Geheimnis: Dass Menschen die dem Schönheitsideal entsprechen im Leben oft bevorzugt werden. Viele beteuern, dass innere Werte für sie entscheidend sind; doch oft ist das nur eine maskierte Form der Oberflächlichkeit. Es ist der erste Eindruck – der dominiert. Hältst du inne, dann merkt man schnell, dass sich nach dem ersten Äußeren Verhalten, Auftreten und Geisteshaltung erschließen. Dann wird es spannend – dann zählt das Wesen des Menschen.
Ich habe in meinem Leben kaum hässliche Menschen getroffen. Diejenigen die ich traf waren oft die humorvollsten hilfsbereitesten und intelligentesten Individuen die ich kennenlernen durfte. Sie waren viel mehr als ihr äußeres Erscheinungsbild. Ihr Charakter verlieh ihnen eine gewisse Schönheit. Es war nicht zu fassen – dass ich sie zuvor anders wahrgenommen hatte.
Ein greifbares Beispiel: Die Fernsehshow "Das Supertalent". Wenn ein übergewichtiger oder als unschön geltender Akteur auftritt, ertönt oft Gelächter und Ablehnung. Dagegen ´ wenn eine beeindruckende Darbietung geliefert wird ` springt das Publikum auf und applaudiert begeistert. An diesem Punkt verschieben sich die Wahrnehmungen rapide. Der erste Blick ist nicht mehr entscheidend – Talent gewinnt.
Diese Oberflächlichkeit in der Bewertung hat historische Wurzeln. Der Mensch musste früher in der Wildnis Feind von Freund identifizieren können. Äußerlichkeiten dienten dazu diese Unterscheidung schnell zu treffen. Diese Instinkte sind immer noch in uns verankert. Das bedeutet jedoch nicht – dass der erste Eindruck stets korrekt ist.
Ich blicke oft in die Augen der Menschen. Ob ein schönes Wesen oder nicht – meine Beurteilung bleibt unberührt von Kleidung oder sozialem Status. Der erste Eindruck zählt. Wie oft hast du auch schon beim ersten Blick auf jemanden entschieden, ob dieser Mensch dir sympathisch ist oder nicht? Das ist eine universelle Erfahrung.
Wie wichtig es ist, hinter die Fassade zu blicken, steht außer Frage. Aber wie finden wir den Weg zu diesen inneren Werten? Wir sollten die Kunst des wertschätzenden Kennenlernens wieder erlernen. Nur so können wir die Schönheit des Charakters entdecken und die Oberflächlichkeit hinter uns lassen.
