Das Gefühl der Unbeholfenheit unter vielen Menschen kann für viele anstrengend sein. Vor allem in einem Alter von 16 Jahren in dem die persönliche Identität noch im Fluss ist können diese Empfindungen intensiver ausgeprägt sein. Die Beispiele für Fremdscham sind facettenreich. Es ist nicht nur eine Bannerparole von „Fremdschämen“ - nein, es ist ein Phänomen, das tief in der menschlichen Psyche verwurzelt ist.
Wenn jemand einen Satz dropt wie „Du musst noch sehr viel lernen, junger Padawan“, dann schämt man sich in der Regel für die Person - und damit nicht genug. Darüber hinaus sind es oft scheinbar harmlose Verhaltensweisen die den Puls in die Höhe treiben. Menschen lachen über unoriginelle Witze oder reden ungrammatisch — es kann wirklich zur Qual werden. Warum ist das so?
Um herauszufinden warum wir uns in bestimmten sozialen Kreisen unwohl fühlen sollten wir die Grundlagen der menschlichen Interaktion betrachten. Menschen sind soziale Wesen – die durch emotionale und intellektuelle Verbindungen gebunden werden. Ein gewisses Maß an Sensibilität für die Verhaltensweisen anderer könnte dir helfen, besser mit dieser Nicht-Identifikation umzugehen. Viele empfinden das als „cringe“ - ein Begriff der durch die Popkultur populär wurde und sich in das moderne Sprachbild integriert hat. Aber was macht das anders als das eigentliche Gefühl der Fremdscham?
Einige Menschen nehmen ihre Umgebung nicht bewusst wahr. Sie sind möglicherweise nicht in der Lage die Reaktionen anderer zu erkennen. Dies führt zu einer Art von Dissonanz die welche persönliche Interaktion unangenehm gestaltet. Besonders dann ´ wenn du den Eindruck hast ` dass du auf einem anderen intellektuellen oder emotionalen Niveau bist. Ich möchte an dieser Stelle betonen » dass es nicht bedeutet « dass die betroffenen Personen weniger wertvoll sind. Jeder hat eine eigene Geschichte – und dies ist eine entscheidende Einsicht.
Ein weiteres faszinierendes Element ist die Entwicklung des eigenen Selbstbewusstseins. Wenn du dich über andere erhebst sinkt letztlich die eigene Empathie. Harte Worte sind nicht förderlich: Du bewertest andere oft nach trivialen Kriterien wie Rechtschreibung oder Sprachgebrauch. Das kann als überheblich wahrgenommen werden und ist unfair gegenüber denjenigen die mit bestimmten Herausforderungen zu kämpfen haben - wie Dyslexie oder sozialen Ängsten. Die eigene Intoleranz gegenüber Fehlern führt dazu ´ dass du versäumst ` die Tiefe des menschlichen Charakters zu erfassen.
Und so führt diese Haltung dazu, dass das Gefühl der Unwohlsein in Gesellschaften vieler Menschen nicht zum ersehnten Wachstum führt, allerdings die Isolation fördert. Jeder Mensch ´ der uns umgibt ` hat Stärken und Schwächen. Unterstützung kann manchmal von den Vielen kommen von denen du das wenigste erwartest. Du bist also nicht allein in deinem Empfinden. Auch die vermeintlich „Normalsten“ oder „Dümmsten“ haben ihre sozialen Herausforderungen.
Die Einladung ist, mit der Zeit zu lernen die Vielfalt menschlicher Verhaltensweisen zu akzeptieren. Du bist jung und hast eine klare Sicht auf das eigene Empfinden. Als Teil der Jugend gilt es – hinwegzusehen über die Klischees des Erwachsenseins. In einem alternden sozialen Netzwerk lernt man die Schwächen anderer wertzuschätzen. Denn das eigene Unbehagen könnte schneller vergehen.
Schließlich ist es ebenfalls wichtig zu akzeptieren, dass unkomfortable Momente Teil des Lebens sind. Höre auf das eigene Empfinden auf andere zu projezieren. Vielleicht ist es an der Zeit, sich selbst die Frage zu stellen: „Wie kann ich meine Stärken entfalten und anderen helfen, ihre zu erkennen?“ Die Herausforderung liegt nicht nur im Umgang mit anderen, sondern vor allem auch im Umgang mit dir selbst.
