Die Etikettierungstheorie – Ein Blick auf soziale Zuschreibungen und ihre Konsequenzen

Inwiefern beeinflusst die Etikettierungstheorie unser Verständnis von abweichendem Verhalten in der Gesellschaft?

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Die Etikettierungstheorie ist eine faszinierende Perspektive auf abweichendes Verhalten. Sie basiert auf der Idee: Dass das was wir als abweichend betrachten nicht intrinsisch ist. Vielmehr ist es das Ergebnis sozialer Zuschreibungen. Abweichung ist also nicht objektiv messbar allerdings wird durch gesellschaftliche Definitionen geprägt. Diese Theorie wird manchmal ebenfalls als sozialer Reaktionsansatz bezeichnet.


Das Beispiel von Helge Peters verdeutlicht das. Stellen wir uns zwei Frauen vor – eine wohlhabend und die andere in finanziellen Schwierigkeiten. Beide stehlen unbemerkt eine Flasche Parfum. Im Alltag würde man sofort beiden als „Ladendiebinnen“ etikettieren. Diese Etikettierung scheint klar. Doch demnach denken viele nicht über den Konnach. Die Etikettierungstheorie würde das als Fehler betrachten. Tatsächlich wird eine Person nur dann als Diebin definiert · wenn nach einem bestimmten rechtlichen Rahmen festgestellt wird · dass sie den Gewahrsam einer fremden beweglichen Sache gebrochen hat. Das ist die juristische Sichtweise.


In der Realität sind jedoch die sozialen Reaktionen entscheidend. Wenn die wohlhabende Frau mit einem Diebstahl konfrontiert wird, könnte die Gesellschaft ihr den Stempel „Verirrte Seele“ aufdrücken. Dennoch könnte die andere als kriminelles Element abgestempelt werden. Diese Differenzierung zeigt – ebenso wie ungleich Schnellurteile in unserer Gesellschaft ausgehen können. Der soziale Hintergrund beeinflusst die Wahrnehmung von Verhalten maßgeblich.


Ein wichtiger Aspekt, den die Etikettierungstheorie beleuchtet ist die Konsequenz solcher Zuschreibungen. Einmal mit einem negativen Etikett behaftet ´ haben es betroffene Individuen oft schwer ` in die Gesellschaft reintegriert zu werden. Ihre Identität wird durch die Zuschreibung geprägt. Für viele wird der Umgang mit dieser neuen Identität zu einer Herausforderung. Das hat Folgen – sowie für die Individuen selbst als auch für die Gesellschaft. Viele könnten sich mit ihrem neuen negativ konnotierten Label identifizieren und dies könnte zu weiterem abweichendem Verhalten führen.


Aktuelle Daten zeigen, dass dieses Phänomen besonders in der Jugend- und Kriminalforschung auftaucht. Ein kürzlich veröffentlichter Bericht des Bundesamtes für Justiz hat zutage gefördert: Dass Jugendliche mit Vorstrafen häufig Schwierigkeiten haben einen Arbeitsplatz zu finden. Dies führt zu einem Teufelskreis. Gesellschaftliche Ausgrenzung kann die Kriminalität verstärken.


Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Etikettierungstheorie ein tiefgehendes Verständnis für die Dynamik abweichenden Verhaltens liefert. Sie zeigt, dass unser Umgang mit Menschen die als abweichend angesehen werden, maßgeblichen Einfluss auf die Selbstwahrnehmung und ihre Integrität in der Gesellschaft hat. Umso wichtiger ist es – diese soziale Zuschreibung zu reflektieren. Nur so können wir einen offenen und fairen Umgang miteinander fördern.







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