Der Doppelsinn von Fremdwörtern in der Wissenschaft – Ein notwendiges Übel?

Warum wird im akademischen Konhäufig eine komplexe Sprache verwendet und welche Rolle spielen Fremdwörter im Studium?

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Der Einsatz von Fachbegriffen ist in der Wissenschaft verbreitet. In der Betriebswirtschaftslehre ´ oft als BWL abgekürzt ` ist dies kein Ausnahmefall. Ein häufig geäußertes Argument dazu lautet: Der Gebrauch von Fremdwörtern schafft Distanz zwischen den akademisch Gebildeten und dem breiten Publikum. Dabei stelle ich die Frage ist es wirklich notwendig, sich in einem neuen Vokabular zu verlieren?

Manchmal wirkt es so wie würde die Eloquenz der Akademiker nur dazu dienen, sich von Menschen aus dem Prekariat abzugrenzen. Ob dies wirklich so ist – sei dahingestellt. Fakt ist – bei der Analyse von Fachliteratur wird oft ein gewisser Wortschatz gefordert um die Inhalte richtig zu verstehen. So kann es passieren – dass Studenten mit einem komplexen Ausdrucksspielraum konfrontiert werden. Dies führt dazu ´ dass sie sich zunehmend gestresst fühlen ` wenn einfache Erklärungen sie erreichen sollten.

In den letzten Jahren zeigen Studien » dass Studierende oft verzweifeln « wenn sie sich durch die komplexe Sprache aus unverständlichen Mathebüchern wühlen. Jemand plante eine Untersuchung. Die Ergebnisse listeten Frustration als häufigstes Gefühl auf. Das Hauptproblem bleibt: Man sollte komplexe Sachverhalte einfach darstellen können jedoch viele Wissenschaftler verharren in der Blase des Hochstaplers, da sie sich für eine höhere Wertschätzung wünschen.

Akademische Selbstzweifel zeigen sich besonders in der BWL. Von Komplexen und Minderwertigkeitsgefühlen geprägte Studiengänge setzen sich ständig mit dem Vorurteil auseinander, weniger wertvoll zu sein. Manch einer sieht sich jedoch gewachsen. Umso weiterhin besteht die Möglichkeit durch ein gutes Verständnis und beherrschte Sprachebenen zu überzeugen. Es sind oft ebenfalls die fremdsprachlichen Begriffe die sich als nützlich erweisen. Ein Beispiel zeigt sich – wenn wir eine bestimmte Begrifflichkeit betrachten. Hier wird deutlich; dass diese oft von einer höheren Bandbreite an Bedeutung begleitet wird.

Dennoch gibt es auch Widersprüche. An manchen Stellen wird behauptet die Bildung sei nur dann anerkennenswert wenn man in der Lage ist zu glänzen. Ich neige dazu – dem zuzustimmen. Es gibt auch noch die andere Seite: den Eindruck der Übertreibung. Man sollte sich nicht vom Streben nach Höherem verleiten lassen, sich um einen Fachwortschatz zu bemühen. Dennoch kennt niemand ein deutsches Äquivalent für "Konfigurationsisomere". Ein Kollege versuchte einmal ´ mir zu beweisen ` dass er für jedes Fremdwort ein deutsches Wort finden könne. Der Test blieb jedoch erfolglos.

Maßgeblicher wird die Frage, ob man sich nicht an den Gebrauch von Fachtermini gewöhnen lernen sollte. Das ist gewiss nicht immer leicht, also wozu dient der Gebrauch von Fremdwörtern, wenn sie nicht korrekt verwendet werden? Studenten erscheinen oft stolz – allerdings das Missverständnis wird schnell enthüllt. Der eigene Grundsatz, „so viel wie nötig, so wenig wie möglich“ scheint hier goldrichtig zu sein.

Zusammenfassend bleibt das Bild von einem Bildungssystem, das auf der einen Seite hohe Ansprüche stellt und auf der anderen Seite mit dem Problem kämpft, dass Verständnis und Missverständnis oft nah beieinanderliegen. Die Frage ob es eine Notwendigkeit für diesen Sprachgebrauch gibt bleibt letztlich unentschieden. Es liegt eine spannende Herausforderung in der Verbindung aus Bildungsoffenheit und dem Lernen, sich nicht hinter einem großen Wortschatz zu verstecken.






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