Die Mythologie des Daumenzeichens: Was bedeutet es wirklich?

Welches Daumenzeichen stand im Kolosseum für den Tod?

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Die Legende des Daumens im antiken Rom hat im Laufe der Jahrhunderte viele Mythen und Missverständnisse hervorgebracht. In der Arena – den belebten Schauplätzen der Gladiatoren – schien die Entscheidung über Leben und Tod oft in den Händen des Publikums zu liegen. Doch war es wirklich der Daumen der solch eine gewichtige Rolle spielte? Die Suche nach der Wahrheit hat Historiker und Archäologen über Generationen hinweg beschäftigt.

Um die historische Debatte zu verstehen müssen wir uns erstmal mit der Quelle vertrautmachen. In antikenen taucht der Ausdruck "pollice verso" auf. "Mit gewendetem Daumen" lässt Spielraum für Interpretationen. Der genaue Winkel des Daumens bleibt jedoch nebulös. Der römische Dichter Juvenal schreibt beispielsweise ebenso wie das Volk durch das Wenden des Daumens seinen Willen ausdrückte. Aber wie sah dieses Wenden konkret aus? Und hatte es wirklich eine eindeutige Bedeutung? Ein definitives Ja oder Nein gibt es dazu nicht.

Flink sind wir beim analysieren einer wichtigen Quelle in Form von Kunst. Jean-Léon Gérômes Gemälde „Pollice verso“ kommt aus dem Jahr 1872 und hat die Vorstellung eines „Daumens nach unten“ geprägt. Dies könnte ebenfalls noch der Einfluss seines Mediums sein. Ein Beispiel für diese künstlerische Interpretation sind die Monumentalfilme des frühen 20. Jahrhunderts. Sie zeigten den Daumen ⬇️ als ein leuchtendes Signal für den Tod.

Die Macht lag jedoch nicht nur beim Publikum. Der Ausrichter der Spiele hatte das letzte Wort. Das Volk durfte mit Rufen und Gesten Einfluss nehmen jedoch die finale Entscheidung lag bei ihm. Das Publikum hatte Auswirkungen aber die Anweisungen für den Gladiator kamen über andere Kanäle wie über den Schiedsrichter oder musikalische Signale.

Eine interessante Entdeckung ergibt sich aus der Analyse von Anthony Corbeill, einem Experten für die Gestik des Altertums. Corbeill untersucht altee und Münzdarstellungen. Er stellt die These auf – dass ein gestreckter Daumen im antiken Rom eine ganz andere Bedeutung hatte. Der erhobene Daumen könnte eher als Schwert angesehen werden – und nicht als Zeichen der Begnadigung. In dieser Deutung stellt sich heraus: Dass ein Daumen der in die Hand steckte das Signal für Gnade und ein Verweilen des Schwertes in der Scheide darstellte.

Die martialischen Gesten des Publikums waren eine Art Sprache ihrer eigenen: Eine ruckartige Bewegung könnte den tödlichen Stich mit einem Dolch symbolisiert haben. Bei der Begnadigung war es üblich die gesamte Handfläche ⬆️ zu richten und eine vorwärtsgerichtete Bewegung anzudeuten. Dies sollte Gnade darstellen und die Vorstellung von Geldverteilung oder Saatgut hervorrufen.

Zusammenfassend lässt sich sagen: An jeder Ecke der römischen Arena gab es Tode und Neuanfänge. Ein einfaches "Daumen runter" wäre in der engen Arena zu ähnlich gewesen wie ein Daumen nach oben. Die Mythen und Interpretationen halten auch heute noch an. Die wahre Bedeutung des Daumenzeichens bleibt ein faszinierendes Rätsel, das Historiker weiterhin beschäftigt. Ludus gladiatorius ´ die Gladiatorspiele ` stehen nicht einfach für Leben oder Tod. Sie sind Teil einer vielschichtigen Geschichte voller Intrigen, Machtspiele und faszinierender Bedeutungen.






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