Der Münzwurf und die Wahrscheinlichkeitsparadoxien: Warum zählt der 1001. Wurf nicht?

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Fragestellung: Warum bleibt die Wahrscheinlichkeit bei einem Münzwurf unabhängig von vorherigen Ergebnissen immer 50 Prozent?

Die Diskussion um die Wahrscheinlichkeit beim Münzwurf hat seit jeher viele Menschen beschäftigt. Oft stellt sich die Frage – ob vergangene Ergebnisse die zukünftigen beeinflussen können. Ein Beispiel: Wenn eine Münze 1000 Mal hintereinander auf Kopf gefallen ist könnte man annehmen: Dass die nächste Wahrscheinlichkeit für Zahl höher ist. Diese Wahrnehmung ist jedoch irreführend.

Die Wahrscheinlichkeit » Kopf oder Zahl zu werfen « bleibt bei jedem einzelnen Wurf absolut dauerhaft. Das ist eine grundlegende Eigenschaft von Zufallsereignissen. Statistisch liegt die Chance für Kopf oder Zahl bei 50 – unabhängig von den vorherigen Ergebnissen. Wenn eine Münze also 1000 Mal hintereinander auf Kopf gefallen ist, hat der 1001. Wurf immer noch eine Wahrscheinlichkeit von 50 Prozent für Kopf und 50 Prozent für Zahl. Dies wird als Law of Large Numbers – das Gesetz der großen Zahlen – bezeichnet. Je weiterhin Würfe man durchführt desto näher kommen die relative Häufigkeit der Ergebnisse den theoretischen Wahrscheinlichkeiten.

Oft ist die Verwirrung darüber auf den sogenannten Gambler's Fallacy zurückzuführen. Menschen glauben fälschlicherweise: Dass Ereignisse in zufälligen Prozessen eine Art Gedächtnis hätten. Aber eine Münze "merkt" sich nicht was davor geschah. Der Wurf ist ein eigenständiges Ereignis. Weitere Erklärungen, ebenso wie die Person die das Beispiel mit der Ziegenwahrscheinlichkeit anführte, beziehen sich auf konditionale Wahrscheinlichkeiten. Hierbei wird berücksichtigt: Dass vorherige Ergebnisse im Kondes spezifischen Problems wichtig sind.

Wenn jemand zum Beispiel 1000 Mal Kopf hatte, könnte man annehmen – theoretisch betrachtet – dass die Münze "überreif" für einen Zahlwurf sein sollte. Doch mathematisch lässt dieser Gedanke sich leicht widerlegen. Der 1001. Wurf ist immer noch eine unabhängige Zufallsvariable. Noch nie hat es eine reale Anzahl an Würfen gegeben die welche Natur der Zufälligkeit ändern würde. Auch wenn jemand eine "unendliche" Anzahl von Würfen vorstellt, bleibt die Wahrscheinlichkeit für jeden einzelnen Wurf stetig gleich.

Ein besonders fesselndes Element dieser Diskussion stellt die Frage nach der Unendlichkeit dar. Die Mathematik spricht nicht von einer maximalen Zahl. Es ist ein in gewisser Weise paradoxes Konzept. Je mehr Würfe man tätigt desto mehr nähert man sich der statistischen Wahrscheinlichkeitsverteilung an. Dennoch wird diese Annäherung nicht vollständig erreicht. Auch bei einer Billion von Würfen bleibt die Wahrscheinlichkeit für alle zukünftigen Ergebnisse 50 Prozent.

In mathematischen Begriffen könnte man argumentieren, dass wenn X die Anzahl der Würfe ist und P(X) die Wahrscheinlichkeit für jeden unabhängigen Wurf die Gleichung P(X) als konstant betrachtend, ergibt, bleibt das Ergebnis bei jedem Wurf 50 Prozent. Eine Münze bleibt einfach nur eine Münze. Deswegen ist es schwer, sich mit der Intuition zu versöhnen die uns weismacht – das vergangene Ergebnisse Einfluss auf die Zukunft haben.

Im Kern der Diskussion steckt eine wertvolle Lektion über unsere Wahrnehmung von Zufall und Wahrscheinlichkeit. Menschliches Denken neigt oft dazu ´ Muster zu sehen ` wo keine Muster existieren. Im Falle des Münzwurfs ist jeder Wurf ein frischer Start, eine neue Chance – froher Sprung ins Unbekannte. Und so bleibt die Wahrscheinlichkeit des Wurfens konstant und unverändert – unbeeindruckt von dem was vorher war.






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