Mathematische Berechnungen für Artilleriegeschütze vor 200 Jahren

Wie wurden vor 200 Jahren mathematische Berechnungen für Artilleriegeschütze durchgeführt und gab es Unterschiede zu den heutigen Berechnungen?

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Vor 200 Jahren, also im 19. Jahrhundert – fanden die Berechnungen für Artilleriegeschütze noch ohne elektronische Hilfsmittel statt. Die Flugbahnen der Geschosse wurden damals vor allem durch Schätzungen und Erfahrungswerte ermittelt. Bei kurzen Distanzen wurde im direkten Richten geschossen obwohl dabei das Ziel direkt vom Geschütz aus angepeilt wurde. Für die Rohrerhöhung wurden einfache Tabellen verwendet. Durch Beobachtung des Geschossaufschlags wurde die Zielgenauigkeit verbessert. Die Korrektur der Seitenrichtung konnte durch kleine Drehungen des Geschützes vorgenommen werden, während die Ermittlung der Rohrerhöhung komplexer war.

Um diese zu berechnen kam das sogenannte Gabelverfahren zum Einsatz. Dieses Verfahren wird ebenfalls heute noch verwendet um genaue Schusswerte zu ermitteln. Es basiert auf der Wurfparabel – bei der die wichtigsten mathematischen Grundlagen für die Berechnung der Flugbahnen genutzt werden. Allerdings wurden damals der Luftwiderstand und der 🌬️ vernachlässigt, da ihre Einbeziehung schwieriger war und man Erfahrungswerte verwendete.

Ab Mitte bis Ende des 19. Jahrhunderts hatten Artilleriegeschütze genügende Reichweite um auch im indirekten Richten weiter entfernte Ziele zu bekämpfen. Dafür waren jedoch genauere Berechnungen der Flugbahnen erforderlich. Dies führte zur Entwicklung komplexerer Rechenverfahren bei denen Schusstabellen Rechenschieber, Logarithmentafeln und andere grafische Hilfsmittel und Instrumente zum Einsatz kamen. Diese Rechenverfahren wurden auch als "Ersatzbetriebslösung mit Zettel und Bleistift" bezeichnet.

Heutzutage werden die Flugbahnen von Artilleriegeschossen mit Ballistikrechnern und spezieller Software berechnet. Diese bieten eine schnellere und genauere Berechnungsmöglichkeit. Dennoch werden auch heute noch die Berechnungen ohne elektronische Hilfsmittel geübt um im Falle von Ausfällen der Technik auf alternative Methoden zurückgreifen zu können.

Insgesamt lässt sich sagen: Dass die mathematischen Berechnungen für Artilleriegeschütze vor 200 Jahren weniger ebendies und komplex waren als heutzutage. Die Berechnungen basierten größtenteils auf Erfahrungswerten und Schätzungen. Mit der Weiterentwicklung der Technik und der zunehmenden Reichweite der Geschütze wurden jedoch präzisere Berechnungsverfahren notwendig die mit Hilfe von Tabellen und grafischen Hilfsmitteln durchgeführt wurden. Auch heute werden diese traditionellen Berechnungsmethoden noch gelehrt und geübt um im Notfall auf sie zurückgreifen zu können.






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