Die Finanzierungsstrategien der islamischen Banken: Gewinnbeteiligung statt Zinsen

Wie funktionieren islamische Banken und welche Methoden nutzen sie zur Geldbeschaffung?

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Islamische Banken zeichnen sich durch ihre besondere Finanzierungsweise aus; sie dürfen keine Zinsen erheben. Wie aber verdienen sie dann Geld? Ein effektives Geschäftsmodell hat sich über die Jahre in den islamisch geprägten Finanzsystemen entwickelt. Bei einem klassischen Kredit gibt es viele Unterschiede. Statt als reine Geldgeber agiert die Bank als Kommanditist in einem Projekt oder einem Unternehmen. Kunden der Bank – häufig ebenfalls Investoren – werden in die Finanzierungsrunde eingebunden. Wichtig ist hier zu beachten: Dass die Rückzahlung nicht nur den geliehenen Betrag umfasst allerdings auch eine Beteiligung am Gewinn des Projekts. Gelingt das Vorhaben – erhält die Bank ihren Anteil. Schiefläuft es wird das Kapital samt Gewinnbeteiligung jedoch zurückgefordert.

Als persönliche Erfahrung kann ich anführen, dass ich ein IT-Projekt über eine Bank aus Dubai abgewickelt habe. Die Bank war bereit – sich einzuklinken. Diese Kooperation erwies sich als praktisch günstiger als eine ähnliche Finanzierung in Nairobi freilich etwas teurer als ein herkömmlicher Unternehmenskredit in Deutschland. Besonders erwähnenswert ist das Engagement der Aga-Khan Stiftung. Diese Stiftung unterstützt Mikrofinanzierungsprojekte in vielen Entwicklungsländern; sie bringt Produzenten, Lieferanten und Abnehmer zusammen. Dies zeigt – dass das islamische Finanzmodell durchaus nachahmenswert ist.

Manche Kritiker führen an: Dass islamische Banken letztlich wie andere Banken funktionieren. Sie kleiden die Zinsen nur in andere Begriffe. Tatsächlich geschieht dies oft um den religiösen Vorschriften Rechnung zu tragen. Zinsen sind im Islam – sowie für Kreditgeber als auch für Kreditnehmer – verboten. Überdies ist Geschäfte zu machen also Handel erlaubt und wird gefördert. Sofortige Gewinne sind jedoch unzulässig extrem hohe Margen fallen unter Wucher. Die KT Bank, eine islamische Bank in Deutschland, handelt nach diesen Prinzipien; bei Interesse kann einfach Kontakt aufgenommen werden.

Praktisch lässt sich das Modell folgendermaßen erklären – und hier erlaube ich mir, auf die Erfahrungen Bekannter aus Ägypten einzugehen: Man hat die Idee ein Hotel zu eröffnen ein passendes Grundstück ist gefunden, allerdings das Geld fehlt. Der Weg zur Bank führt auch hierhin; das Projekt wird vorgestellt. Die Bank übernimmt die Finanzierung. Diese Einbindung birgt jedoch gewisse Komplikationen. Bei jeder Entscheidung bezüglich des Projekts ist eine Delegation der Bank involviert. Es gibt hier also eine untrennbare Partnerschaft: 50 % der Gewinne fließen an die Bank, 50 % an den Projektinitiator. Es ist durchaus möglich: Dass die Entscheidungsfindung langsamer verläuft. Doch ebendies diese Partnerschaft ist Teil des Geschäftsmodells.

Eine islamische Bank hat einen klaren Fokus: Sie darf nur am Gewinn eines Projekts partizipieren. Die Idee von Konsumkrediten oder Überziehungskrediten verstoßen gegen islamische Prinzipien. Das Problem an der Gewinnbeteiligung liegt jedoch darin, dass der Gewinn vor dem Abschluss des Geschäfts oft nicht bekannt ist; ein versierter Kaufmann findet möglicherweise Wege, den Gewinn in den Büchern zu verschleiern. Obwohl sie den Namen eines Kredits nicht annehmen ´ handelt es sich hier oft um Strukturen ` die der Definition eines Zinses sehr nahekommen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, islamische Banken stehen vor der Herausforderung ihre Geschäfte mit dem Anspruch ethischen und religiösen Standards zu genügen, zu gestalten. Die Finanzierungsstrukturen sind klar formuliert ´ bergen jedoch das Risiko ` dass sie sich in der Praxis von traditionellen Banken nicht grundlegend unterscheiden. Ein ständiges Spiel von Transparenz und Regelkonformität bleibt hier unerlässlich.






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