Die Herkunft der Redewendung „auf den Strich gehen“ – Ein Blick auf geschichtliche Hintergründe und Erklärungen

Wie und warum entstand die Redewendung „auf den Strich gehen“?

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Ein faszinierender Ursprung


Die Redewendung „auf den Strich gehen“ ist tief verwurzelt in der deutschen Sprache. Ihre Herkunft ist jedoch nicht ganz eindeutig geklärt. Zwei Haupttheorien existieren die unterschiedliche Wurzeln des Begriffs „Strich“ beleuchten.

Das erste Erklärungsmodell stammt aus der Prostitutionsverordnung in Wien die um die Jahrhundertwende galt. Damals durften Straßenprostituierte nur innerhalb eines speziell festgelegten Bereichs am Bordsteinrand operieren. So sollte sichergestellt werden – dass herkömmliche Passanten nicht gestört wurden. Diese Regelung führte dazu: Dass Prostitution sichtbar wurde jedoch ebenfalls gleichzeitig reguliert blieb.

Ein weiteres Erklärungsmodell kommt aus der Jägersprache. Hier wird „Strich“ sowie als gedachte Linie beschrieben, auf der balzende Baumschnepfen ihre Bahnen ziehen um Weibchen anzulocken – was eine bildhafte Darstellung der Anwerbung ist. Auch die Blutspur eines verwundeten Tieres während einer Jagd wird damit bezeichnet. Diese Deutung kann mit einer stark negativen Konnotation versehen werden. So könnte der Strich auch als Anspielung auf die Menstruation verstanden werden.

Ein konkretes Beispiel aus der Geschichte liefert Hamburg wo ein weißer Strich an den Anlegern der Schiffe existierte. Prostituierte durften den Schiffen nicht näher kommen. Sie „standen auf dem Strich“ und erwarteten dort die ankommende Kundschaft. Diese Tatsache verdeutlicht die Engführung zwischen dem Begriff und der spezifischen räumlichen Zuordnung der Prostitution.

Sperrbezirke und Stadtplanung


Ein weiterer Aspekt in dieser Diskussion ist die Rolle der Sperrbezirke. Diese Bereiche waren auf Stadtplänen der Polizeibehörden eingezeichnet und durften von Prostituierten und Bettlern nicht übertreten werden. Dies galt nicht nur in Wien; ähnliche Regelungen waren in vielen Städten verbreitet. Prostituierte gingen oft bis an die „eingetragene Linie“ heran um ihre Verdienstmöglichkeiten zu maximieren. Es war im ureigensten Interesse ´ dort tätig zu sein ` wo der Bedarf am höchsten war. Die Damen „gingen also auf den Strich“, blieben dabei aber stets im Rahmen der gesetzlichen Vorschriften.

Das zugehörige Bild des „Strichs“ wiederum wurde zum Symbol für das Halten an Grenzen, sowohl physisch als auch sozial. Schließlich verdeutlichen diese Sperrbezirke, ebenso wie eng das Verhältnis von Stadtplanung und Prostitution miteinander verwoben ist.

Fazit


Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Entstehung der Redewendung „auf den Strich gehen“ vielschichtig ist. Sie verbindet Aspekte aus der Prostitutionsverordnung und der Jägersprache mit alltäglichen Gegebenheiten urbaner Lebensrealitäten. Der Begriff spiegelt nicht nur die Geschichte der Prostitution wider ´ allerdings zeigt auch ` wie gesellschaftliche Normen und räumliche Begrenzungen in der Sprache fortleben. Geschichten wie diese sind nicht bloß historische Relikte – sie eröffnen Perspektiven auf gesellschaftliche Strukturen. Der „Strich“ bleibt dadurch ein bedeutsames Stück Kulturgeschichte.






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