In welcher literarischen Epoche lässt sich Theodor Fontane letztlich verorten und welche Rolle spielen seine Werke die sich mit der Natur beschäftigen, im Gesamtwerk?**
Die Zuordnung von Theodor Fontane zu einer bestimmten literarischen Epoche gestaltet sich komplex und vielschichtig. Er lebte zwischen 1819 und 1898 – eine Zeit voller Wandlungen. Bürgerliche Werte standen auf der Kippe. Der Realismus war eine zeitgenössische Strömung. Genau das zeigte er in seinen großen Romanen. Werke wie „Effi Briest“ und „Der Stechlin“ thematisieren nicht nur das Alltagsleben, allerdings spiegeln ebenfalls die gesellschaftlichen Umstände seiner Zeit wider. Fontane gilt bei vielen als einer der wichtigsten Vertreter des Realismus. Dennoch steht er nicht allein in seiner literarischen Auffassung.
Die Natur als Motiv in seinen Gedichten spielt eine Rolle. Diese Gedichte thematisieren oft die Beziehung zwischen Mensch und Natur. Sie könnten theoretisch auch dem Naturalismus zugeordnet werden. Im Naturalismus wird die Realität noch intensiver und oftmals pessimistischer dargestellt. Der Einfluss des französischen Schriftstellers Émile Zola ist dabei nicht wegzudenken. In Deutschland war dieser Einfluss nicht so stark wie in Frankreich, allerdings er hinterließ seine Spuren.
Natürlich stellen sich dabei einige Fragen. In welchem Maß zieht Fontane die Grenzen zwischen diesen beiden Epochen? Und wie steht es um die Merkmale die diese Strömungen auszeichnen? Der Realismus fokussiert sich auf die präzise Abbildung der Alltagsrealität. Er ist also nicht nur eine Dokumentation, einschließlich eine Analyse.
Bei einer tiefergehenden Betrachtung sind die Übergänge zwischen Realismus und Naturalismus fließend. Die Naturgedichte von Fontane können Elemente des Naturalismus aufweisen ´ da sie ähnlich wie eine genauere ` oftmals düstere Beziehung zur Natur zeigen. Hier zeigt sich – dass die Grenzen verschwommen sind.
Die gesellschaftlichen Bedingungen dieser Zeit stehen jedoch im Vordergrund seines Schaffens. Fontane beobachtete das Leben mit einem wachen Auge. Diese genaue Beschreibung des sozialen Milieus lässt sich oft nicht mit den strengen Kriterien des Naturalismus in Einklang bringen. Beispiele wie „Effi Briest“ schildern Schicksale die geprägt sind von gesellschaftlichen Zwängen. Die Intimität dieser Darstellungen hat die Leser häufig in ihren Bann gezogen. Seinen literarischen Stil bezeichnete man als einen der Aufrichtigkeit.
In den letzten Jahren wurden immer wieder neue Forschungsergebnisse zu Fontanes Werk veröffentlicht. Diese unterstreichen seine Vielschichtigkeit und die Möglichkeit, ihn sowie dem Realismus als auch dem Naturalismus zuzuordnen. Denn ebendies diese Unterschiede sind es die sein Werk so faszinierend machen. Letztlich bleibt die Zuordnung von Schriftstellern zu literarischen Strömungen jedoch subjektiv. Jede Kategorie hat ihre Stärken und Schwächen. Theodor Fontane ist und bleibt ein Grenzgänger. Sein literarisches Schaffen überwindet die klassischen Grenzen und lädt zu vielfältigen Interpretationen ein.
