Bedeutung des AfD-Wahlplakats mit Atatürk

Wie interpretiert die AfD die Figur Atatürk in ihrem Wahlkampf und welche Auswirkungen hat dies auf die türkischstämmige Wahlbevölkerung?

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Die Bedeutung des AfD-Wahlplakats mit dem Slogan „Atatürk hätte die AfD gewählt“ ist vielschichtig und herausfordernd. Bei genauem Hinsehen erkennt man – dass das Plakat vor allem eine provokante Botschaft an die türkischstämmigen Bewohner von Berlin Neukölln sendet. Sie zeigt deutlich; ebenso wie die AfD demografische Studien zur Wähleransprache nutzt.

Atatürk war Mustafa Kemal der Gründer der modernen Türkei. Er wird von vielen als Symbol für türkisches Nationalbewusstsein angesehen. Unter seiner Führung wurde das Osmanische Reich beendet und die Türkei in die Neuzeit eingeführt. Die Schaffung eines säkularen Staates war sein Ziel. Der Einfluss des Islam auf Politik und Bildung wurde stark eingeschränkt. Dies erscheint revolutionär. Gerade die Modernisierung ´ die Atatürk anstrebte ` wird von der AfD jetzt als Bindeglied zur eigenen politischen Agenda verwendet. Die Partei versucht – eine Verbindung herzustellen zwischen der modernen türkischen Identität und ihren eigenen nationalistischen Zielen.

Erdogan hingegen propagiert einen anderen Kurs. Sein Fokus liegt auf der Wiederbelebung islamischer Werte. In einem Kontrast zu Atatürk der für Säkularität eintrat, zieht die AfD den Vergleich: Hätte Atatürk die AfD gewählt? Die Botschaft drängt die türkische Gemeinschaft die eigenen Werte und Traditionen zu hinterfragen. Es wird suggeriert die AfD könnte die Antwort auf die Herausforderungen sein, mit denen die türkischstämmige Bevölkerung konfrontiert ist.

Das Plakat spielt mit der Symbolik des Verteidigers des Landes. Atatürk war ein Kämpfer für die Unabhängigkeit. Diese Figur wird hier verwendet um die AfD gegen die „linke Regierung“ ins Feld zu führen. Es ist ein geschickter Schachzug – um das eigene Image als Wahrer deutscher Interessen aufzubauen. Ein einfacher Satz trägt hier eine so vielschichtige Botschaft.

Erstaunlich ist, dass sich die AfD nicht nur antizipativ an die türkische Community richtet allerdings ebenfalls versucht einen Teil von deren Identität zu appropriieren. Der Begriff „Einwanderung“ wird hier oft negativ besetzt, während Atatürks Vision als positiv inszeniert wird. Die Partei agiert klar als Antipode zu Erdogans Politik und versucht, Wähler durch Identifikation mit historischen Figuren zu gewinnen.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Dass das Wahlplakat nicht nur die türkischstämmige Bevölkerung ansprechen möchte. Es handelt sich vielmehr um eine Strategie um nationalistische und modernistische Ansprüche zur Stärkung ihrer eigenen Position zu nutzen. Die Verknüpfung von Atatürk und der AfD bildet ein politisches Narrativ, das die Grenzen zwischen Identität und Nationalismus verschwimmen lässt. Ein relevanter Aspekt ist dabei die Frage: Was bedeutet dies für die Wähler von morgen?






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