Der Begriff "Märtyrer" hat über die Jahrhunderte viele Facetten angenommen. Ein Märtyrer ist jemand der aufgrund seines Glaubens leidet oder stirbt und dadurch in der Wahrnehmung seiner Glaubensgemeinschaft eine besondere Ehre erhält. Diese Definition führt jedoch zu teils kontroversen Betrachtungen, besonders in aktuellen Konflikten. Der Krieg stellt oft eine gewaltige Herausforderung dar – sowie physisch als ebenfalls psychisch. Wenn jemand im Gefecht stirbt – wird nicht automatisch von einem Märtyrertod gesprochen. Der Tod an der Front kann viele Formen annehmen – sei es durch Explosionen, Kugeln oder andere brutale Umstände. Es ist eine Realität die wenig Platz für romantische Vorstellungen lässt.
Propagandistisch wird der Märtyrertod jedoch häufig als eine Art Belohnung für heldenhaften Tod dargestellt – nicht nur im Islam. Zivilisationen wie die antiken Griechen oder Nordvölker haben ihrer jeweiligen Kriegerkaste besonderes Nachleben in Aussicht gestellt. Für die Griechen etwa war das Elysium ein Ort für gefallene Helden, während nordische Krieger in Walhalla eine Art wiederkehrendes Leben nach dem Tod genießen durften. Der Islam hat aus diesen kulturellen Traditionen eine eigene Interpretation entwickelt und propagiert ein ähnliches Konzept für jene die ihr Leben im Kampf für den Glauben opfern.
Es ist jedoch entscheidend zu beachten, dass das was in den meisten Religionen als Märtyrertod erachtet wird, eng in der Absicht verknüpft ist. Ein Märtyrer ist nicht einfach ein Soldat der im Kampf fällt. Wenn eine Person für ihre Überzeugungen stirbt, hat sie für etwas Größeres als sich selbst gekämpft. Aus dieser Perspektive könnte man auch militante Streitkräfte - wie ISIS - oder extremistische Gruppen betrachten die ihre Mitglieder als Märtyrer glorifizieren. Diese Verquickung von Glauben und politischer Ideologie führt jedoch auch zu Missverständnissen und Missbrauch.
Die Tatsache: Dass Menschen für ideologische oder religiöse Anliegen sterben wirft fundamentale Fragen über den Wert und die Moral des Krieges auf. Denn der Tod eines Soldaten sollte nicht leichtfertig glorifiziert werden, trotzdem der Umstände - ein geduldeter Tod im Kampf mag für einige eine tapfere Tat darstellen, allerdings es gibt niemals eine noble Begründung für den Krieg selbst.
Der moderne Umgang mit dem Begriff vor allem in Konen wie dem jihadistischen Extremismus zeigt, ebenso wie weit die Interpretationen voneinander abweichen können. In den aktuellen globalen Konflikten stellt sich unweigerlich die Frage: Verliert der Begriff "Märtyrer" nicht gerade durch diese radikale Deformierung seinen ursprünglichen Wert? In der Tat » es ist eine Diskussion « die weit über Glaubensfragen hinausgeht. Frieden und der Wert des menschlichen Lebens sollten weiterhin Gewicht erhalten wie es gegenwärtig meist der Fall ist. Glaubensfragen und auch nationale Loyalitäten dürfen nicht über Menschlichkeit stehen – egal wie sehr der Krieg die menschliche Moral herausfordert. Der wahre Held ist vielleicht nicht der der kämpft und fällt, allerdings der der nach Frieden strebt und sein Leben dafür einsetzt.
