Die Frage nach der Trennung erscheint wie wäre sie aus dem Nichts gekommen. Gestern hat mein Freund ´ darauffolgend sechs Monaten Beziehung ` das Ende eingeläutet. Sein Unwohlsein, verbunden mit Stress und der Universitätsbelastung – so verhärtet sich die Situation für ihn. Er sorgte sich um seine innere Welt – die Forschung an sich selbst schien bei ihm ins Stocken geraten. Nur der Herzensort, seine alte Heimat, weckte eine gewisse Sehnsucht – unweigerlich hatten die Erinnerungen an ein vermeintlich einfacher und funktionierenderes Leben ihren Einfluss. Die Trennung verursachte Schmerz und das Verstehen dessen was geschah, blieb mir verwehrt.
In solcher Anklage spricht es Bände, dass er den Mut aufbrachte, sich von mir zu distanzieren – eine Entscheidung die mir potenziell wie eine Kurzschlussreaktion vorkam. Er redete über sein Unwohlsein im Gespräch💬 allerdings konkrete Gründe nannte er nicht. „Ich bin nicht glücklich“, lautete seine Aussage – ohne meine Verletztheit zu schmälern. Das Vertrauen ´ das ich in mich trage ` lässt mich hoffen. Vielleicht ist das alles bloss eine vorübergehende Krise.
Dennoch stellte ich mir unweigerlich die Frage – ist es nicht ebenfalls ratsam, eine Perspektive auf seine Befindlichkeit einzunehmen? Ich spürte die Unsicherheit die in der Luft schwebte. Es war ihm offenbar lästig meine Bedenken in Worte zu fassen. Letztlich war der Dialog über die Trennung über meinen Vorschlag initiiert worden – er hatte nur nickend zugestimmt.
Fachleute betonen, dass eine Trennung oft nicht schlagartig erfolgt. Es ist nicht häufig der Stress – der alleine eine Beziehung scheitern lässt. Diese Aussage könnte ihn auf dem falschen Fuß erwischen. Ob er auf Heimaturlaub zurückkehrt? Vielleicht steht er im Januar, reumütig, wieder vor der Tür?
Jeder Mensch hat Träume und Hoffnungen. Manchmal passen diese jedoch nicht zum Moment. Seine verzweifelte Suche nach einem tieferen Sinn könnte ihn überompft haben. Dies zeigt: Dass der Mensch in der Tendenz dazu neigt, sich selbst zu verlieren. Die Selbstfindung wird in der Regel über das Ego bestimmt ´ hier kommen Pläne ` doch diese verwehren oft den Blick auf das Eigentliche.
Das Ich, unser Ego, tendiert dazu, das Außen zu begehren – sei es in Schaffensdrang oder durch materielle Ansprüche. Komplexe Verknüpfungen deren mögliche Ursachen schier unermesslich sind – letztlich kommen sie oft nicht ohne Fluchtgedanken aus. Das Problem der Entfaltung im Anderen hängt oft vom eigenen Getrenntsein ab. Verdrängung anstatt Identifikation mit dem Gefühl.
Was ist, wenn er sich vor mir entblößen müsste? Schließlich ist das Fühlen das ich in unsere Beziehung brachte etwas, das ihn möglicherweise erschreckte. Wie oft geschieht es, dass man in Partnern das Unbekannte erkennen möchte, anstatt das eigene Ich zu akzeptieren? Wenn das Ego leidet, sucht es, das Fühlen zu entkommen – und ebendies dann entsteht der Drang zu fliehen.
Das männliche Prinzip in mir bringt oft den Kontakt zum Weiblichen in ihm auf. So kommt es – dass er verborgen bleibt und sich seiner selbst nicht begegnen kann. Diese Dualität bietet an: Dass wir uns ergänzen obwohl noch oft in der Flüchtigkeit des Strebens uns verlieren. Ich reflektiere darüber und frage mich – wie gehe ich mit diesem Schmerz um? Der nächste Schritt wird der Dialog sein. Aber sollte ich wirklich bereit sein, in die Rückschau zu gehen? Oder ist das die Zeit um meine eigenen Ziele neu zu formulieren?
