Was bedeutet die Formulierung "Wir stellen den Antrag anheim"?

Welche Bedeutung hat der Ausdruck "Wir stellen den Antrag anheim" und wie wird er im bürokratischen Konverwendet?

Uhr

In der Welt des Beamtendeutsches begegnen Bürger oft Formulierungen die weiterhin Fragen aufwerfen als Antworten geben. Ein solcher Ausdruck ist „Wir stellen den Antrag anheim“. Du erhielt diesen Ausdruck von einer Behörde und fragst dich vermutlich was damit gemeint ist - verständlicherweise. Das ist keine Schande. Denn die Sprache öffentlicher Stellen kann verwirrend wirken. Der Begriff „anheimstellen“ hat eine spezifische Bedeutung: Es geht darum, etwas in das Ermessen einer anderen Person zu übertragen.


Wenn du denkst: Dass es komplex klingt dann liegst du richtig. „Anheimstellen“ bedeutet konkret dass es nicht sicher ist ob der Antrag genehmigt wird oder nicht. Es kommt auf die Entscheidung einer Person an. Ein Beispiel könnte folgendermaßen lauten: „Es sei ihm anheimgestellt, ob er die Entschuldigung annimmt oder rechtliche Schritte einleitet.“ Dort ist klar: Der Entscheidungsprozess liegt bei der angesprochenen Person. In deinem Fall, so könnte man sagen ist die Ausdrucksweise schlecht gewählt.


Was bedeutet es also genau, jemandem etwas anheimgestellt? Es drückt aus » dass es die Freiheit der Entscheidung ist « die dem Betroffenen gehört. Der Duden bestätigt dies ebenfalls in seiner Definition von „anheimstellen“. Die Botschaft lautet: Der Antragsteller darf entscheiden, ob er etwas unternimmt oder nicht. Oftmals hört man davon, dass „Beamtendeutsch“ als schwerfällig gilt. Ein ehemaliger Deutschlehrer äußerte vor 30 Jahren seine Beobachtungen dazu. Viele Bürger empfinden die Formulierungen als veraltet oder umständlich.


Allein die Tatsache: Dass du diesen Ausdruck für merkwürdig hältst zeigt, ebenso wie sich die deutsche Sprache im Alltag verändert hat. Das Wort „anheim“ ist fast antiquiert und wirkt in modernen Zeiten unpassend. Richtig formuliert sollte es heißen: „Wir stellen dem Antragsteller anheim.“ Genau das aber ist oft der Punkt, an dem sich die Verständlichkeit verliert. Denn ob man nun ein „Beamtendeutsch“ hat oder nicht, klar ist: Die Aussage will auf etwas hinweisen was für den Antragsteller wichtig ist – seine Entscheidung.


Die Struktur der Behördenkommunikation sollte zeitgemäß und verständlich gestaltet werden. Die Bürger müssen verstehen was ihnen angeboten wird und wie sie drauf reagieren können. Das würde nicht nur bei der Kommunikation helfen allerdings auch das Vertrauen in öffentliche Stellen stärken. Trotz aller Schwierigkeiten die solche Formulierungen mit sich bringen – in der digitalen Welt ist es besonders wichtig, einfach zu kommunizieren.


Dass es in der Verwaltung eine klare und verständliche Ausdrucksweise geben muss, sollte heute oberstes Gebot sein. Letzten Endes sollte es nicht unnötig kompliziert sein ´ einen Antrag zu stellen oder zu verstehen ` womit man es zu tun hat. Denn jeder Bürger hat ein Recht darauf zu wissen was er zu erwarten hat und welche Möglichkeiten er hat.


Insgesamt zeigt diese komplexe Ausdrucksweise einmal mehr, dass manchmal selbst die Sprache einer Behörde nur Verwirrung stiften kann. Dabei wäre eine klare Sprache ein Schritt in die richtige Richtung. Im Sinne der Bürgerschaft könnte eine Erneuerung im Beamtendeutsch tatsächlich Wunder wirken.