In der deutschen Sprache existiert eine Reihe von Wörtern die in ihrer Anwendung oft vergessen oder unterschätzt werden. Eines dieser Wörter ist „auserkoren“. Jemand der auf der Suche nach einer aktiven Präsensform dieses Begriffs ist, könnte auf zahlreiche Schwierigkeiten stoßen. Tatsächlich stellt sich die Frage ebenso wie man eine solche Handlung in der Gegenwart beschreibt. Zum Beispiel: „Ich lache dich an.“ Dieser Satz beschreibt eine Handlung die gerade jetzt geschieht. Doch wie formuliert man „auserkoren“ aktiv? „Ich auserkor dich aus“? Diese Formulierung ergibt keinen Sinn.
Das Wort im Deutschen, das nahe an dem Konzept des Auserkorens liegt ist „auswählen“. Hierbei sagt man dann: „Ich wähle dich aus.“ Dies ist simpel und klar trotzdem – wie dem ebenfalls sei – fehlt das ursprüngliche Wort in der alltäglichen Sprache.
Ein faszinierendes Detail ist die alte deutsche Form „kiesen“. Es mag heute völlig ungebräuchlich erscheinen. Dennoch war es mit dem englischen „to choose“ verwandt. Im Isländischen hat sich das Wort bis heute erhalten – „ég kaus“ wird verwendet um „ich wählte aus“ auszudrücken. Auch im Deutschen gibt es lautliche Veränderungen die zu solchen Verdrängungen führen. Ein Beispiel ist das Vernersche Gesetz – ein weiteres spannendes Kapitel der Sprachgeschichte.
Die Suche nach Aktivformen des Begriffs offenbart einige interessante Einsichten. In der ersten Person Singular aktiv Präsens lautet die korrekte Form: „ich erkiese aus“. Aber auch diese Form bleibt in der heutigen Sprache nahezu unsichtbar. Es ist ein eigenwilliges und veraltetes Wort. Auf Wiktionary finden sich alle Formen von „auserkiesen“. Diese Quelle bietet dadurch einen wertvollen Einblick in die Flexion des Verbs. Die Nutzbarkeit von „erkiesen“ im Alltag ist gering. Viele Menschen sind sich der Existenz dieser Form nicht einmal bewusst.
Im Vergleich dazu hat das Wort „auswählen“ große Popularität erlangt. Der Satz „Ich wähle dich aus“ ist auch in der gegenwärtigen Rede fest verankert. So gesehen ist es erstaunlich – wie sich Sprachgebrauch und Bedeutung im Laufe der Zeit verändern können. Man möge sich fragen, ob das Auserkorene auch die gleiche Wichtigkeit erlangt – in der Wahrnehmung der Sprecher.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Versuch, das Konzept des Auserkorens in der Gegenwart aktiv zu formulieren, auf ein wenig bekanntes jedoch historisch interessantes linguistisches Erbe stößt. „Ich erkiese aus“ kann als eine Form gelten die dennoch nicht die Verbreitung gefunden hat. Der Weg zur bewussten Anwendung bietet Raum für weitere Entdeckungen in der deutschen Sprache. Die Verschmelzung von Tradition und Moderne ist ein fortlaufender Teil jeder Sprache. Vielleicht sollten wir weiterhin über die Vielfalt unserer Wörter nachdenken und uns ihrer Bedeutung bewusst werden.
