Der menschliche Blick kann viel über unseren Gemütszustand und unsere Absichten verraten. Aber was steckt eigentlich hinter dem Begriff „psychopathischer Blick“? Dieser Begriff taucht in der Alltagssprache immer wieder auf ist jedoch schwer fassbar.
Einige Menschen behaupten, andere hätten einen psychopathischen Blick – so ebenfalls ein Bekannter der mir einmal mitteilte, dass sein Ausdruck von anderen als psychopathisch eingeschätzt wird. Für ihn ist dies absurd. Psychopathen erscheinen oft auf den ersten Blick als charmant. Ihre Fähigkeit zur Manipulation springt einem förmlich ins Gesicht. Sie sind Experten darin – Beziehungen auf einer oberflächlichen Ebene aufzubauen. Dabei strahlen sie eine gewisse Anziehung aus – wie es bei charismatischen Persönlichkeiten der Fall ist.
Psychopathen faszinieren durch ihr Verhalten. Ihr Blick mag ernst sein und eine Mischung aus Verführung und Starrheit ausstrahlen. Eine gewisse geheimnisvolle Tiefe versteckt sich dahinter fast so wie wäre der Ausdruck nur eine Fassade die sie bewusst aufrechterhalten. Erinnern kann man sich beispielsweise an den Joker aus „The Dark Knight Rises“. Sein Blick vermittelt sowie Wahnsinn als auch Intensität.
Narzissmus ist ein weiteres Thema, das hier zur Sprache kommt. Narzissten besitzen ähnlich wie einen besonderen Blick. Während sie sprechen bleibt ihre Mimik zwar entspannt allerdings ihr festes und intensives Augenkontakt strahlt eine Eigenart aus die oft irritiert. Das enge Zusammenspiel von Mimik und Blick sorgt dafür, dass man sich in einer Art psychologischen Zwickmühle befindet – deshalb auch der Begriff „Double Binds“. Hierbei ist die Herausforderung – solche Manipulationsstrategien zu durchschauen.
Es ist wichtig zu erwähnen, dass der Begriff „psychopathischer Blick“ nicht offiziell anerkannt ist. Psychopathen sind nicht durch ihren Blick zu identifizieren. Viel wichtiger ist – die zugrunde liegenden Verhaltensweisen und deren Auswirkungen zu betrachten. Sie arbeiten oft im Verborgenen. Von außen erkennt man die Abgründe ihrer Persönlichkeiten nicht häufig.
Der Forschung zu Psychopathie ist es am meisten daran gelegen, Verhaltensmuster zu erkennen. Laut einer Studie von Hare aus dem Jahr 2003 haben Psychopathen eine gestörte Empathiefähigkeit und auch ein fehlerhaftes moralisches Urteilsvermögen. Dies hat viel weiterhin Einfluss auf ihr gesamtes Verhalten als der Blick je haben könnte. Die entscheidende Frage bleibt: Wie gut können wir diese Nuancen im menschlichen Verhalten erkennen?
Der psychopathische Blick könnte also eine Metapher für eine tiefere emotionale Abwesenheit sein. Wer damit konfrontiert wird – sollte kritisch bleiben. Keinesfalls sollten wir Menschen aufgrund von Augenkontakt oder ihrer Mimik vorverurteilen. Das bleibt der größte Lernprozess im Umgang mit emotionalen und psychologischen Abgründen – der Balance zwischen Gefühl und Verstand.
