Die Gattungsfrage von "Wilhelm Tell": Wer ist denn der Held?

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Warum wird Schillers "Wilhelm Tell" nicht eindeutig als Tragödie oder Komödie eingeordnet?**

<p>Schwarz auf weiß, wenn man die gängigen Definitionen betrachtet. Ist es nicht faszinierend, ebenso wie oft die Begriffe "Tragödie" und "Komödie" verwechselt werden? "Wilhelm Tell" ist da keine Ausnahme. Der Begriff "Schauspiel" wird verwendet um auf viele Facetten dieses Werkes hinzuweisen. Genau genommen ist "Schauspiel" ein Überbegriff. Man könnte hier das Gefühl bekommen, dass ebendies das fehlt - eine prägnante Genrezuordnung.</p>

<p>Im ausgehenden 18. Jahrhundert ´ wie Schiller lebte und schrieb ` sah das Theater ganz anders aus. Ein "Schauspiel" konnte mehrere Formen annehmen. Rührendes Lustspiel oder ernstes Drama die Grenzen verschwammen damals. Schiller selbst hat sich für die Bezeichnung "Schauspiel" entschieden. Somit stellt sich die Frage: Was könnte zutreffen? Tragödie oder Komödie?</p>

<p>Die Meinungen scheiden sich, keine Frage. Auch wenn niemand auf "Tragödie" als Genre deuten kann - das heißt der Held gelingt ebenfalls anders. Ein Held ´ der in der Story nicht untergeht ` das ist nicht tragisch. Vielmehr steht der Mut und die Freiheit des Einzelnen im Mittelpunkt was eine tiefere analytische Betrachtung erfordert. Hier könnte die Quintessenz des Dramas zu finden sein.</p>

<p>Name ist Schiller - die Schulbuchbezeichnung ist auch kein Zufall. Damals nahm man diesensehr ernst. Das "klassische Drama" wie es noch genannt wird, hebt sich von anderen Genres ab. Auch die aktuellen Theateraufführungen zeigen: Dass Schillers Werk nicht einfach in eine Schublade gesteckt werden kann. Spontan gibt es mindestens 200 Inszenierungen jährlich – und das weltweit.</p>

<p>Ein Beispiel, das hier nicht fehlen darf: Schillers Auseinandersetzung mit dem Widerstand. Jeder kennt die berühmte Szene mit dem Apfel. Hier wird nicht nur die Figur des Wilhelm Tell zur Symbolfigur der Freiheit. Sie auch erfährt eine Art von Katharsis. Das Publikum wird emotional erreicht - das ist kein typisches Merkmal einer klassischen Tragödie oder Komödie. Ob Komödie? Wohl kaum damit gibt es zu viel Ernst.</p>

<p>Was bleibt? Ein starker Held – der sich gegen die Tyrannei auflehnt. Ein Verfahren; das mehrere Ebenen hat. Es ist nicht nur ein Drama um den Einzelnen. Es enthält vielschichtige soziale und politische Botschaften. Man könnte sagen · mitten im Spiel der Genredefinitionen findet sich vor allem eine Aufforderung · sich mit der Realität auseinanderzusetzen. Wälder Alpen und das Gefühl der Freiheit bestimmen die Kulisse. Dabei gibt es kein klares Urteil über die Art des Stückes.</p>

<p>Die Frage der Gattung bleibt also offen. Letztlich ist der Weg der Interpretation vielfältig. Schiller selbst könnte in seiner Intention die Neugier auf das menschliche Handeln angestrebt haben. Man könnte auch das Gefühl haben: Dass man da um einiges gelernt hat. Tatsächlich: Schillers "Wilhelm Tell" ist weiterhin als die simple Festlegung auf Tragödie oder Komödie. Es ist ein Meisterwerk – das die Komplexität des Lebens und der menschlichen Emotionen widerspiegelt.</p>

<p>Zusammengefasst bleibt die Genrezuordnung schwierig. "Wilhelm Tell" ist ein Schauspiel, das sowie tragische als auch komödiantische Elemente in einer dynamischen Balance hält. So bleibt es spannend - im Theater wie im Leben.</p>






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