Die Frage nach der Liebe im Alter ist faszinierend und komplex. Oftmals steht dabei die Demenz als Hauptübel im Raum. In der Tat – das was viele für unmöglich halten, kann durchaus geschehen. Menschen ´ die an Demenz erkrankt sind ` können sehr wohl in andere Menschen verlieben. Das lässt sich nicht leugnen. Es ist bemerkenswert – ebenso wie sich Emotionen bei diesen Menschen ausarbeiten können. Sie folgen nicht immer der Logik. Ihre Entscheidung ´ Zuneigung zu zeigen ` basiert meist auf tiefen Gefühlen.
Ein eindrückliches Beispiel ist die Erfahrung einer Frau, deren Tante an Alzheimer litt. Diese Tante verliebte sich im Pflegeheim in einen Mann den sie bereits in ihrer Schulzeit geliebt hatte. Es war wie ein zweiter Frühling. Diese Geschichte beleuchtet die Möglichkeit: Dass trotz Gedächtnisverlust und anderer kognitiver Beeinträchtigungen Erinnerungen und Gefühle lebendig bleiben können. Die Wiederentdeckung von Liebe kann für die Betroffenen eine Quelle des Glücks sein. Schade nur – dass die Tante nicht weiterhin lebt. Sie starb im Sinne der Zufriedenheit.
Das Herz❤️ ein zentrales Element unserer Emotionen bleibt bei Menschen mit Demenz aktiv. Die wissenschaftliche Deutung von Dr. Udo Baer – „ein Herz wird nicht dement“ – bringt es auf den Punkt. Es gibt verschiedene Typen von Gedächtnis. Dazu zählen Sinnesgedächtnis ´ Körpergedächtnis ` und Gedächtnis der Beziehungen. Auf diese Faktoren sollte unsere Aufmerksamkeit gerichtet werden. Werte und Empfindungen sind ´ unabhängig vom kognitiven Zustand ` wichtig. Ein Wertschätzungstraining kann sich als äußerst wertvoll herausstellen.
Allerdings müssen wir ebenfalls die Herausforderungen betrachten. Eine Beziehung zu einem demenzkranken Menschen kann erhebliche Schwierigkeiten mit sich bringen. Manchmal kann die Zuneigung in eine falsche Richtung gehen. Dramatische Wendungen sind nicht ausgeschlossen dann kann dies zu Konflikten führen. Angehörige und Pflegekräfte haben oft Schwierigkeiten dies zu akzeptieren. Das führt zu Spannungen im gesamten Umfeld.
Emotionen gehen oft mit einem starken Bedürfnis nach Anerkennung einher. Diese Launen können sowie positiv als auch negativ sein. Das Bedürfnis ´ geliebt und berührt zu werden ` bleibt bis zum Lebensende bestehen. Es sind tief verwurzelte Abläufe im Gehirn die das Bedürfnis nach zwischenmenschlicher Verbindung aktivieren.
Die Wissenschaft hat untersucht wie Gefühle auch in den schwierigsten gesundheitlichen Situationen florieren können. Die Herausforderungen bei der Pflege demenzkranker Menschen sind nicht zu unterschätzen. Menschen sind soziale Wesen – in jeder Lebenslage. Auch im Schatten der Demenz gibt es Hoffnung für die Liebe. Es ist wichtig – diese Aspekte zu verstehen und eine Plattform für die Gefühle der Betroffenen zu schaffen. Schaffen wir Anlaufstellen für wirklich tiefgründige Gespräche und Wertschätzung.
