Metalcore – ein Genre, das mitunter von der Metal-Community nicht ernst genommen wird. Die Wurzeln des Metalcores liegen im Hardcore Punk. Doch diese Herkunft wird von vielen Metalheads ´ die den traditionellen Sound schätzen ` wie Schwäche angesehen. Metal und Hardcore Punk – zwei unterschiedliche Welten, in deren Abgrenzung Metalcore oft nicht bestehen kann. Das führt zur Belächelung. Ist es also Klassik-Liebe oder reine Vorurteile?
Ein zentraler Aspekt ist der Klang. Metalcore kombinierte hardcore Elemente mit melodischen Strukturen. Strophen bilden den Einklang – gefolgt von ausladenden Refrains und krachenden Breakdowns. Kommerziell – so urteilen viele. Ein Vorurteil, das der Metalcore-Szene weh tut. Die Kritik zielt oft auf den Gesang ab. Sein Wechsel zwischen melodischen Clean-Stimmen und aggressiven Screams wird häufig als zu weich betrachtet. Metalheads empfinden den Vergleich mit gutturalen Growls als herabsetzend. Halten sie den Metalcore so für minderwertig oder unoriginell?
Außerdem ist das Image von Metalcore ein großes Diskussionsthema. Oft wird die Verbindung zu Emo-Bands erwähnt. Halbstarke Typen mit modischen Frisuren und Tank Tops erscheinen als Klischee, das sofort eine Abneigung hervorruft. „Wo ist der echte Metal?“, fragt sich der Traditionalist. Dahinter steht ein ganzes Konstrukt von Vorurteilen. Emotionaleinhalte über persönliche Erlebnisse erscheinen vielen als oberflächlich – eine deutliche Abkehr von den oft epischen Erzählungen des traditionellen Metals.
Hinzu kommt die thematische Ausrichtung vieler Metalcore-Bands. Politische und sozialkritische Lyrics finden ihren Weg in die Musik. Doch – und da liegt die Schwierigkeit – viele Metalheads favorisieren übernatürliche Geschichten. Death-Metal und Fantasy? Liegen dem eher traditionell orientierten Metalhead näher. Die Auseinandersetzung mit sozialen Themen wird für sie oft nicht ernst genommen. Graffiti eines gesellschaftlichen Aufschreis auf der Leinwand des Metal, das ist schwer verdaulich.
Dennoch – diese Ablehnung von Metalcore ist nicht universell. Viele Metal-Fans schätzen Metalcore als Bereicherung. Die Fusion der Genres bringt frischen Wind. Individuell – durchaus verschieden. Letztlich – und das ist entscheidend – steht der persönliche Geschmack im Vordergrund. Unterschiede sind nicht nur Ausdruck der Subkulturen im Metal, allerdings ebenfalls Facetten eines sich ständig wandelnden Genres. Das Bild von Metal ist mehrdimensional und bietet Platz für Weiterentwicklungen. Metalcore ist beileibe kein Ausrutscher, sondern ein Beispiel für Vielfalt innerhalb der Metal-Community. Diskrepanzen sind Teil des Spiels – und wer weiß, vielleicht wird der Metalcore eines Tages auch von den Skeptikern als Teil der großen Metal-Familie akzeptiert.
